Mit dem „Chanderli“ um die Wette schnaufen

Mit dem Chanderli um die Wette schnaufenMit dem Chanderli um die Wette schnaufen

Mit dem Chanderli um die Wette schnaufen

 

 

 

 

 

Eine Velotour der historischen Bahnstrecke entlang nach Kandern und dann nach Bad Bellingen am Rhein

Die Aussicht, dem schnaubenden „Chanderli“ zu begegnen, vermag kleine und grosse Radlerinnen und Radler in den Sattel zu locken. Von Frühjahr bis Herbst bietet der historische Dampfzug jeden Sonntag seine Nostalgie-Show.

Wir sind früh aufgestanden. Am Tüllinger Hügel hängen noch Nebelfetzen, als wir von Weil nach Haltingen pedalen. Dann aber gewinnt die Sonne rasch an Kraft, und als wir um 9.17 Uhr beim Bahnhof von Hammerstein erstmals dem Dampfzug begegnen, kommt er unter ansichtskartenblauem Himmel aus dem Wald auf uns zu. Der Lokführer im schwarzen Gewand ruft heraus: „Wollet se mitfahre?“ Danke, heute wollen wir nicht. Wir sind mit dem Velo da.

Die Kandertalbahn „zweigt in Haltingen von der Rheintalbahn ab und führt über eine Strecke von 13 km durch das liebliche Kandertal ins Töpferstädtchen Kandern“. So steht es im Prospekt, den man samt Fahrplan aus dem Internet herunterladen kann (www.kandertalbahn.de). Der Dampfzug wird seit 1968 von einem Verein betrieben und gepflegt. Seine Höchstgeschwindigkeit beträgt 30 km/h.

Unsere Route von Basel nach Kandern, wie auch der zweite Teil nach Schliengen und Bad Bellingen, verläuft fast ausschliesslich auf Velowegen und wenig befahrenen Strassen, ist also familientauglich. Ab Binzen schlängelt sich der Weg mal links, mal rechts der Bahnstrecke entlang.

Die zweite Begegnung mit dem „Chanderli“ haben wir in Kandern arrangiert, wo der Zug um 11.00 Uhr wieder angesagt ist. Zuvor blieb Zeit für Kaffee und Kuchen und eine kurze Rundfahrt durch das bezaubernde Städtchen, aber leider nicht für einen Besuch im Heimat- und Keramikmuseum. Bis Ende Oktober zeigt es eine Sonderausstellung über den hier geborenen Johann August Sutter, auf dessen kalifornischem Land 1848 der „Goldrausch“ begann.

Von einem „Dampfrausch“ kann man nach dem Eintreffen des Zuges im Bahnhof von Kandern sprechen. Wartende Fotografen und ausgestiegene Passagiere umdrängeln die Dampflok, als wäre sie ein Filmstar. Der Lokführer und seine Helfer sind sich ihrer Rolle sichtlich bewusst. Sie lassen das „Chanderli“ mächtig dampfen und zischen, bevor es wieder in Richtung Haltingen startet.

Wir aber brechen auf in Richtung Rhein. Die Fahrt dahin führt über zwei sanfte Hügel. Wer nicht gerne bergauf fährt, mag in Schliengen den Zug Richtung Basel besteigen. Die letzte Strecke nach Bad Bellingen enthält eine kräftige Steigung, aber die Anstrengung wird durch grandiose Aussicht belohnt.

Familien empfehlen wir ab Bad Bellingen den Zug, der jede Stunde fährt und Velos am Wochenende (und wochentags ab 9 Uhr) gratis befördert. 42 Kilometer sind genug für eine Radtour mit Kindern. Unverdrossene werden mit Vergnügen weitere gut 20 Kilometer dem Rhein entlang unter die Räder nehmen. Der Weg ist ungeteert, aber bei trockenem Wetter tadellos zu befahren.

Das Tal der Kander und die Hügel an seinen Flanken sind übrigens regelmässig Ziele der Abendtouren von Pro Velo, zu denen man sich im Sommerhalbjahr einmal pro Woche um 18.15 Uhr auf dem Petersplatz in Basel trifft. Weil die Abende kurz werden, geht die Saison Mitte September zuende, doch der nächste Frühling kommt bestimmt.

Heinz Weber

 

Mundstück

Kein Luxusartikel. Das urgemütliche Café Lacoste in Kandern überzeugt mit reicher Auswahl an verführerischen Torten und Kuchen. Wir empfehlen besonders die Fruchtkuchen der Saison. Bei unserem Ausflug gab’s Zwetschgen und Johannisbeere – zur Feier des Etappenziels aber bitte mit Sahne.

Mit dem Chanderli um die Wette schnaufen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fundstück

Turmbau zu Kandern. Im Hebelpark, nahe dem Gasthaus „Zur Weserei“, steht ein Daubenturm, wie ihn die Küfer von Kandern bis im letzten Jahrhundert vor ihren Werkstätten aufbauten. Darauf konnte das wertvolle Holz für die Fässer gut trocknen. Der Museumsturm mit kunstvoll gedrehter Spitze wurde im Frühjahr 2008 aus 700 Dauben neu geschichtet.

Mit dem Chanderli um die Wette schnaufen

 

„Chanderli“

Die Kandertalbahn dampft von Anfang Mai bis Mitte Oktober jeden Sonntag, dazu an regionalen Festtagen, von Haltingen nach Kandern. Die einfache Fahrt kostet für Erwachsene 4.50 Euro. Das „Chanderli“ befördert auch Velos zu 3 Euro (wenn es genügend Platz hat). www.kandertalbahn.de

Mit dem Chanderli um die Wette schnaufen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Heinz Weber

 

Auf ruhigen Velorouten

Strecken: Basel Petersplatz - Kandern 27 km; Basel-Kandern - Bad Bellingen 42 km, insgesamt rund 200 Höhenmeter

Orientierung: Velokarte Elsass-Basel-Südschwarzwald, 1:100'000, Kümmerly+Frey/VCS, CHF 19.80

„Chanderli“: Die Kandertalbahn dampft von Anfang Mai bis Mitte Oktober jeden Sonntag, dazu an regionalen Festtagen, von Haltingen nach Kandern. Die einfache Fahrt kostet für Erwachsene 4.50 Euro. Das „Chanderli“ befördert auch Velos zu 3 Euro (wenn es genügend Platz hat). www.kandertalbahn.de

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