Drucken

Veloferien in der Pfalz

Mai 1999

Wein ist die Seele der Pfalz - ein Stück vom Paradies.

Wo liegt denn die Pfalz und was ist die Pfalz, fragten mich viele meiner Freunde aus der Schweiz, wenn ich von unserer geplanten Fahrradwoche erzählte. Die wenigsten kennen das Land mit dem grössten zusammenhängenden Weinbaugebiet Deutschlands, das ans nördliche Elsass angrenzt und eingebettet zwischen dem Rhein am Rande der Haardt liegt.

Das reizvolle Land, das schon von den Kelten und Römern besiedelt wurde, wird heute noch mit seiner fruchtbaren Wein- und Gemüselandschaft und dem Naturpark des Pfälzerwaldes den Touristen als «Paradies» angepriesen. Peter und Toni kennen unser Ferienziel schon von einer früheren Fahrradtour. Erich und Rita haben uns auch viel aus ihrer Heimat erzählt, dass wir uns alle freuen, die zauberhafte Landschaft mit ihren gastfreundlichen Bewohnern kennen zu lernen. Vollbeladen waren unsere Autos. Die zu fahrende Route ist uns bereits bekannt, denn auf der Fahrt an die Mosel wählten wir den gleichen Weg. Wir haben uns viel zu berichten. Wir erinnern uns auch an unsere ersten gemeinsamen Fahrradferien vor acht Jahren an der Nordsee.

Unser Ziel ist Böchingen. Bei Familie Helmut Simon In den Hainbuchen 13 hat uns Erich Zimmer reserviert. Böchingen ist ein verschlafenes kleines Dorf mit einem Schloss und liegt zwischen Landau und Edenkoben. Die Gastfamilie ist sehr freundlich und bietet uns das Gästehaus mit drei Doppelzimmern und einer Küche an. Der Kühlschrank ist gefüllt mit Wein und Bier. Angeregt durch den warmen Sonnenschein entschliessen wir uns auf einer «Schorlifahrt» das Dorf und die nahe Landschaft zu erkunden. Wir kommen nicht weit. Mit einem lauten Knall kündet sich der obligate «Plattfuss» an meinem neu erworbenen Fahrrad an. Der Zufall will es, dass wir direkt vor dem «Zechpeter», der Weinstube von Rosy und Karlheinz stehen. Zu diesem Zeitpunkt kennen wir die gemütliche Gaststätte noch nicht, so fahren wir nach Hause, um in der Abendsonne den ersten Apéro zu geniessen.

Beim «singenden Hannes» in Rhodten treffen wir uns mit Rita und Erich. Sie geniessen das Zusammensein mit den pfälzischen Freunden. Elke blickt sich im ehemaligen Kuhlstahl um und stellt trocken fest, dass heute noch immer Kühe drin sässen. Wir bestellen Winzersteaks und Saumagen. Erich trinkt Traubensaft und bestellt uns einen «Piff». Dazu essen wir Schmalzbrot.

«Pfälzer ist das Höchste, was ein Mensch werden kann»

Frisch und munter steigen wir nach einem ausgiebigen Frühstück auf unsere Fahrräder. Erich führt uns zum Einfahren in Richtung Rhein durch vorwiegend flaches Gelände. Stolz zeigen uns die beiden Pfälzer ihre Heimat: «Pfälzer ist das Höchste, was ein Mensch werden kann» Die Dörfer, mit den niedrigen blumengeschmückten Bauernhäusern, Reblauben, Hinterhäusern und Höfen sehen aus wie im Bilderbuch. Vor vielen Häusern wächst ein Feigenbaum. Der berühmten Weinstrasse kehren wir den Rücken. Von weitem stellt uns Peter die „Villa Ludwigshöhe“ als seine „Sommerresidenz“ vor. Wir fahren vorbei an weiten Feldern mit Gemüseanbau. Der Golle-Berg ist die höchste Erhebung des Tages. Wir brauchen beim Aufstieg nicht zu schwitzen. Unser Weg führt uns durch Landau nach Herxheim und Hayna. Hier wird auf den Feldern Tabak angebaut. Die Hinterhöfe im Dorf öffnen die Sicht auf die Tabakscheunen, wo die Blätter hinter Holzverschlägen zum Trocknen aufgehängt werden. Rita erzählt uns, dass hier Fidel Castro seine Zigarren einkaufe. In Herxheim entdecken wir eine Moorenkopf-Fabrik. Gerne hätte ich angehalten und einige eingekauft. Aber die Männer fahren weiter.

In Kandel kehren wir im Ratshauskeller beim Italiener ein. Auf der Weiterfahrt besichtigen wir mit einer «Rundfahrt» die bekannte Bierbrauerei, wo Erich in seiner «Jugend» Aussendienstmittarbeiter gearbeitet hat. Nach einem gemütlichen AZP (auf zum Pils) mit Bier und Jägerschnaps zeigt uns Erich den «Silberpilskurs» von Bellheim. Diese längste Rennradkurs für Amateure misst rund 220 Kilometer.

In Essingen besuchen wir Erichs Mutter und besichtigen ihren gepflegten Gemüsegarten. Den Graben, wo Rita heute noch spielen würde, hätte sie Erich nicht geheiratet, haben wir leider nicht mehr gefunden. Zum Nachtessen kehren wir im Nachbardorf in Flemlingen beim «Zechpeter» ein. Die Weinstube ist während vier Tagen in der Woche offen und gehört Rosy und Karlheinz. Tagsüber arbeiten die beiden in ihren Reben. Mit Winzer- und Brotzeitteller, mit Strammem Max und Rumpsteak stillen wir unseren Hunger. Schoppen um Schoppen wird von Karlheinz angeschleppt. Meistens trinkt er diesen auch gleich an. «Ein guter Wein gibt einen guten Schoppen», erklärt Rosy. Dabei werde ins Glas bis zum Strich Wein gegossen und mit Wasser aufgefüllt. Ein «Piff» wird in der Tischrunde immer weiter gereicht. Ein «roter Piff» wird nur in Rhodten serviert. Nach  einem  «Trollschoppen» an der Theke kehren wir stimmungsvoll und beschwingt zu Fuss nach Hause zurück.

Fahrradtour, Zechtour und KulTour

Heute steht zusätzlich zum Fahrrad fahren auch Kultur auf unserem Programm. Speyer ist unser Ziel und für den Abend hat uns Erich im Kulturhaus in St. Martin mit den Hofmanns im «concert» Plätze reserviert. Bis wir jedoch dort beim humorvollen pfälzischen «Gebabbel» unsere Beine ausstrecken können, haben wir noch einige Kilometer abzustrampeln. Die geplante Tour führt uns gegen Osten wieder in die Rheinebene. Erich will uns nicht mit hügeligem Gelände strapazieren, damit wir auch den Abend noch geniessen können.

Meistens abseits von den Autostrassen suchen wir uns auf den Fahrradwegen den Weg nach Speyer. Wären diese Wege etwas besser ausgeschildert gewesen, hätten wir weniger Zusatzschlaufen gefahren. Die Landschaft präsentiert sich ähnlich wie am Vortag: eben und mit viel Gemüsebau und Reben, soweit das Auge reicht. Wir staunen zudem über die zahlreichen Bohrtürme am Wegrand. Hier wird tatsächlich Öl gepumpt, auch wenn der Ertrag nicht ganz den erwarteten Hoffnungen entspricht. Aber für den privaten «Hausgebrauch» reicht es “alleweil“. Unseren durstigen Männern ist es nicht zu verübeln, dass sie vor der Besichtigung des Domes in Speyer im Brauerei-Gasthof  Domhof einkehren wollen. Die Geschichte und die Kultur von Speyer der bedeutendsten historischen Stadt am Rhein wurde geprägt von den Kelten, den Germanen, den Römern, den Alemannen, den Franken und schliesslich 1689 von den Franzosen, welche einen grossen Aschenhaufen hinterliessen. Das prächtigste und bedeutendste pfälzische Bauwerk ist der Dom. Er wurde 1030 vom pfälzischen Kaisergeschlecht erbaut. Er war zu diesem Zeitpunkt die grösste Kirche der Christenheit. Im Dom liegen auch die Kaiser des Landes begraben. Nach der Dombesichtigung müssen wir weiter. Für eine Stadtbesichtigung reicht es leider nicht mehr.

Hassloch ist mit rund 28'000 Einwohnern das grösste Dorf der Pfalz mit alten, schlichten Fachwerkhäusern aus dem 18. Jahrhundert. Im Hubertushof kehren wir ein und geniessen die warme Sonne. Dort trifft Erich Fred Laqué, einen ehemaligen Radfahrerkollegen. Und gleich kommt er wieder ins Schwärmen und erzählt uns von den sieben Radrennbahnen in der Region.

Rita mag nicht mehr so sehr ans Radfahren denken und möchte sich lieber in einer Rikscha nach Hause fahren lassen. Einen ganz reizenden Ortskern mit vielen Fachwerkhäusern hat Venningen. Dort suchen wir den «Essigdoktor». Leider empfängt dieser an diesem Tag keine Besucher. Beim «Zechpeter» stärken wir uns für den kulturellen Abend.

St. Martin ist ein historisches Weindorf mit malerischen Gassen und Fachwerkhäusern. Hier treffen wir Ingrid und Seppl, Maria und Jochen. Zusammen geniessen wir im Kulturhaus beim pfälzischen «Gebabbel» humorvolle Geschichten aus der Region. In der Pause spendiert Erich jedem ein Glas Sekt. Im gemütlichen Kanzleikeller in Edenkoben lassen wir den Abend ausklingen.

Die Pfälzer Weinstrasse

Das Lautertal bei Hauenstein, wollen wir heute besuchen. Es soll ein gemütlicher Sonntagsausflug werden. Da auf dem direkten Weg zwischen Böchingen und Wissembourg, an der französischen Grenze, einige Hügel mit markanten Aufstiegen liegen, beschliessen wir, mit dem Auto an unseren Ausgangspunkt zu fahren. In Schweigen besichtigen wir noch das Deutsche Weintor, das den Anfang zur Deutschen Weinstrasse markiert. Bald haben wir das lauschig grüne Tal erreicht. Wir fahren entlang dem Bachlauf und plaudern mit unseren Freunden. Wir geniessen die anmutige Bachlandschaft, den Naturpark des Pfälzerwaldes und den Anblick der weidenden Schafe. Die wuchtigen, imposanten und sagenumwobenen Felsgebilde, die vereinzelt aus dem Wald herausragen, beeindrucken uns sehr. Alle haben einen Namen und eine Geschichte. Da gibt es den Teufelstisch, den Jungfernsprung und noch einige mehr. Kurz nach Hauenstein kehren wir wieder um. Einige mögen nicht mehr, die anderen werden von Durst und Hunger geplagt. Die Restaurants, die wir ansteuern, sind alle besetzt. Auf der Rückfahrt geht’s ganz locker. Beim AZP in Wissembourg schwelgten Seppl und Erich wieder in den Erinnerungen vergangener Fahrradzeiten als Amateur-Rennfahrer.

Weil es nirgends so gemütlich ist wie beim Zechpeter, kehren wir auch diesen Abend wieder dort ein. Erich und Seppl sitzen nebeneinander und vergnügen sich wie zwei Spitzbuben. Auch diesmal schleppen Rosy und Karlheinz unermüdlich den goldenen Rebensaft an den Tisch. Der grösste Piff umfasste 2,5 Liter. Den letzten Rest davon verschluckt Seppl. Wahrlich durstig muss keiner nach Hause gehen. Wenn wir das nächste Mal zum Zechpeter gehen, müssen wir nachschauen, ob der allerletzte «Trollschoppen» noch hinter dem Vorhang steht. Zum Glück sind wir zu Fuss unterwegs.

Pfälzer Saumagen

Am Rande der Haardt fahren wir heute nach Neustadt zu den Elwentritschen, kehren im Deidesheimerhof ein und besuchen als Höhepunkt die mittelalterliche Befestigungsanlage in Freinsheim. Unser Weg führt uns entlang der nördlichen Weinstrasse. Soweit das Auge reicht, sieht man nur Reben. Auf den Hügeln werden diese von Burgen und Schlössern überragt. Einst gab es in der Pfalz nicht ganz 500 Burgen. Von diesen sind etwa 80 als Ruinen erhalten geblieben. Sie zeugen von einer Zeit, in der die Pfalz Geschichte schrieb: Der sagenumwobene Barbarossa liess sich vor über 800 Jahren in Lautern seine Kaiserpfalz erbauen und gab dem heutigen Kaiserslautern sowie auch dem Land seinen Namen. Eine Pfalz waren im Mittelalter im Reich verstreute Wohnschlösser für durchreisende Kaiser oder Könige. Die Burg Trifels bei Annweiler beherbergte 150 Jahre lang die Reichskleinodien. In ihrem Verliess schmachtete der englische König Richard Löwenherz. Die einzige noch bewohnte pfälzische Burg ist Berwartstein. Vor Edenkoben liegt die Villa Ludwigshöhe. Das Schloss wurde im Auftrag von König Ludwig I. von Bayern als Sommerresidenz erbaut. Das Hambacher Schloss ist das Auffallendste an der Weinstrasse. Es wurde zu Beginn des 11. Jahrhunderts als Reichsburg erbaut. Ursprünglich hiess sie Kestenburg (Kastanienburg). An die Jahreszahl 1832 erinnert sich Erich noch genau. Damals sollen sich 30'000 Menschen aus ganz Deutschland bei der Burg versammelt haben, um ein vereintes Reich und einige wenige Freiheiten zu fordern. Später wurde die Burg dem bayrischen Kronprinzen Maximilian geschenkt und bekam den Namen Maxburg.

Auf der Suche nach den Elwedritschen erreichen wir Neustadt, die Hauptstadt der Pfalz. Lust hätten wir schon gehabt, um auf die Jagd nach dem pfälzischen Fabelwesen zu gehen. Die glupschäugigen Gesellen mit Hahnenkronen, auf Entenfüssen und mit einem Pfauenrad lassen sich leider nur bei Neumond fangen. Im Zentrum der Stadt gibt es jedoch einen Brunnen, wo wir die spassigen Gestalten fotografieren können. Wir fahren weiter bis nach Deidesheim. Im berühmtesten Restaurant von Deutschland kehren wir ein. Hier haben vor uns schon Staatsoberhäupter und Landesfürsten vom berühmten Pfälzer Saumagen gekostet. In Bad Dürkheim steigen wir in das grösste Holzfass der Welt. 1,7 Millionen Liter Wein hätten drin Platz. Gefüllt wird es nie, denn es beherbergt in seinem Innern auf zwei Etagen eine Weinstube. Es hat sich gelohnt die Zusatzschlaufe noch anzuhängen und in das bezaubernde Städtchen Freinsheim zu fahren. Die nahezu vollständig intakte Stadtmauer mit Wehrtürmen und -toren umgibt den historischen Ortskern. Auf der Heimfahrt spüren wir ganz langsam unsere Beine. Wir sind ja auch schon vier Tage mit dem Fahrrad unterwegs. In der Winzerstube Uebel beschliessen wir den Abend.

Wo die Mandelbäume blühen

Die südliche Weinstrasse erinnert an die toskanische Landschaft. Die Hügel und der Pfälzer Wald bilden zusammen eine ideale Voraussetzung für ein mildes Klima und dieses wiederum für einen guten Tropfen Wein. In der Pfalz liegt wie anfangs schon erwähnt das zweitgrösste Rebbaugebiet Deutschlands. Auf den 23'500 Hektaren wachsen ungefähr 60 Millionen Rebstöcke. Beeindruckt von der riesigen Menge Wein und Schnaps, die daraus produziert werden kann, ruft Elke aus: «Die Deutschen müssen alles Säufer sein!». Für gute Qualität wird sowohl beim Schoppen- wie auch bei Spitzenweinen grosse Sorgfalt aufgewendet. Die Hauptsorte ist der Müller-Thurgau, gefolgt von Riesling, Kerner, Silvaner, Morio-Muskat, Grau- und Weissburgunder, Scheurebe und Gewürztraminer bei den Weissweinen, Portugieser, Spätburgunder, Dornfelder und St. Laurent (Blaufränkischer) bei den Rotweinen. So laden denn in den 67 Dörfern im Umfeld der südlichen Weinstrasse rund 300 Weinstuben, Strausswirtschaften, Gaststätten und Restaurants zu einem kräftigen Schluck aus dem Schoppen und zu einer typisch regionalen Pfälzer Mahlzeit ein. Eine von diesen Weinstuben ist der «Zechpeter». Wir müssen immer wieder staunen, wie die Leute hier Abend für Abend anstehen, um einen Sitzplatz ergattern zu können. Die einfachen Gerichte munden hier köstlich. Es sind dies, neben dem berühmten Saumagen, Leberknödel, Blut-, Leber- und Bratwurst und Schwartenmagen. Auch die Pfälzer Kartoffeln sind sehr beliebt, zum Beispiel als: warmer «Krummbeersalat», «Reiwekuche», «Gequellte».

Die Strasse nach Geisweiler, unserem ersten Etappenziel, ist gesäumt von blühenden Mandelbäumen. In den Gärten wachsen und reifen Feigen, Zitronen und Kiwis. Zu den Lieblingsspeisen von Erich gehören die «Keschde». Diese wurden von den Römern vor 2000 Jahren mitgebracht. Heute stehen am Rande der Haardt ganze Wälder davon. Im Park des Sanatoriums, durch den uns Rita und Erich führen, wachsen neben anderen subtropischen Bäumen auch ein Mammut- und ein Eukalyptusbaum. Im Schatten der Burg Triffels liegt Annweiler. Es ist die zweitälteste Stadt der Pfalz. 1219 wurde sie von Kaiser Friedrich II. zur Freien Reichsstadt erhoben. In der Altstadt bewundern wir die historischen Fachwerkhäuser, die Wasserräder und Brücken an der Wasserstrasse.

Der Pfälzer trinkt nicht nur Wein, auch dem Bier ist er zugeneigt. So laden neben Weinstuben auch Bierhäuser zum Verweilen ein. Im Landauer Brauhof schalten wir eine Rast ein und schauen uns die interessant ausgeschmückt Gaststube an. Der Bierbrauer erklärt uns den Brauvorgang und zeigt uns den Bierkeller. Als wir weiterfahren wollen, überrascht uns ein leichter Regen und so kehren wir frühzeitig nach Hause zurück. Dort lacht uns die Sonne wieder aus dem blauen Himmel an. So holen wir uns süsses Gebäck im kleinen Dorfladen und geniessen dieses zusammen mit Kaffee auf dem Vorplatz des Hauses. Ein Besuch im neuen Brauhause in Neustadt ist für den Abend geplant. Mitten zwischen den Tischen und Bänken wird hier Bier gebraut. Dieser Ort der Erlebnisgastronomie ist beliebt bei Einheimischen und Touristen. Das modern und grosszügig eingerichtete Haus bietet auf zwei Ebenen Platz für 2000 Gäste.

Glück im Unglück

Gut trainiert von den Radtouren der vergangenen Tage wagen wir uns heute in die hügelige Landschaft der südlichen Weinstrasse. Hinauf und hinunter trampen wir auf unseren Rädern durch schmucke Weindörfer mit Reblauben und Weingärten, vorbei an Weingütern und Destillerien. Zum ersten Mal treibt es uns den Schweiss auf die Stirne. Einmal halten wir an und lassen uns Kostproben von edlen gebrannten Wassern anbieten. Wir kommen gut voran. Am Nachmittag wollen wir Ritas Mutter in Landau besuchen. Godramstein, Sibeldingen, Birkweiler , Ranschbach, Leinsweiler sind ein paar Namen von den Dörfern, die wir durchfahren. Ich habe Mühe, mir all die Namen zu merken. Obwohl sich der pfälzische Dialekt an den unsrigen anlehnt, muss ich gut aufpassen, wenn unsere Freunde «babbeln» wie ihnen «de Schnawwel gewachse is»: «Keschde-Beem» sind Kastanienbäume, die «Gosch» eine grosse Klappe, «Quetsche» sind Zwetschgen, eine «Wutz» ist eine Sau, eine «Weck» ein Brötchen und «Krummbeeren» sind Kartoffeln.

Als Heilbad zwischen Wald und Reben ist Bad Bergzabern ein beliebter Kurort. Vor dem Schloss versammeln wir uns ein letztes Mal für ein Gruppenbild. Im Kaffee Theyss schlemmen wir von den pfälzischen Schleckereien: Kartoffelpuffer mit Apfelmus, Dampfnudeln mit Weinsauce und Spargeln. Auf der Weiterfahrt, in Oberhausen passierts: Die Spitze der Fahrradkolonne bremst. Elke reagiert zu spät und fällt. Am Kopf und an der Schulter ist sie verletzt. Wir rufen einen Krankenwagen, der sie zusammen mit Peter nach Landau ins Spital fährt. Wir denken, dass es doch sinnvoll gewesen wäre, einen Helm zu tragen, und hoffen, dass sich Elke nicht zu schwer verletzt hat. Eine Platzwunde am Kopf und eine geprellte Schulter sind die Diagnose des Arztes. Wir sind froh, dass es nicht schlimmer ist, obwohl Elke vom Schock und vom Schmerz noch gezeichnet, sofort ins Bett sinkt.

Es ist unser letzter Abend in der Pfalz. Elke fehlt in unserer Runde. Zum letzten Mal trinkt uns Rosy im Zechpeter einen «Piff» an: «Während der Arbeit trinke ich keinen Alkohol, ich trinke nur den Sprudel draus.». Die Stimmung kommt nicht in Schwung. Rita und Erich fahren schon diesen Abend nach Lörrach zurück. Sie brechen früh auf. Schade, dass unsere Ferien so zu Ende gehen. Sicher aber hat Elke Glück, dass sie sich nicht schwerere Verletzungen zugezogen hat. Hinterher fragen wir uns, ob sie zu viel Weinsauce gegessen hat? Zum Glück ist die Pfalz nicht so weit entfernt von Basel. So besteht die Möglichkeit, dass wir wieder einmal dorthin zurück kehren. Die schmucken Weindörfer mit den zahlreichen Weinstuben und Reblauben werden uns stets in Erinnerung bleiben. Beeindruckt haben uns die Gastfreundschaft und die Fröhlichkeit von Rosy und Karlheinz, die sie bei ihrer strengen Arbeit den Gästen entgegen bringen. Unsere Fahrrad-, Zech- und KulTour in der Pfalz werden wir nicht so schnell vergessen. Im übrigen haben wir in der vergangenen Woche auf unseren Fahrrädern 440 Kilometer zurück gelegt.

Erika Thüring