Von der Quelle der Mosel bis nach Koblenz

August 2003

Jedes Jahr planen Toni und ich eine Velotour. Dieses Jahr nahmen wir die Mosel in unser Visier. Die regionale Michelin Karte: Alsace, Lorraine Nr. 515 und das Bikeline-Radtourenbuch: Mosel-Radweg dienten uns als Planungsgrundlage. Unsere Zwischenhalte planten wir in den Städten. So konnten wir nach dem Hotelbezug bei einem Stadtrundgang noch ein wenig unsere Beine „vertreten“.

Auf an die Mosel  (90 km)

Wir packen also unsere Ortliebfahrradtaschen und starten mit Sandwichs in der Tasche von unserem Wohnort Arlesheim. Die Wege am ersten Tag sind uns weitgehend bekannt. Über Rodersdorf, Durlinsdorf, Mooslargue. Ueberstrass, Dannemarie erreichen wir gegen Abend Thann. Wir wählten bei der Planung Strassen mit der Bezeichnung „D“. Die Route führt uns durch eine ansprechende hügelige Landschaft mit viel Wald und Weiden, vorbei an zahlreichen Fischweihern und durch schmucke Sundgauer Dörfer. Anstelle der oft gesehenen Weinstrasse wird hier die „Milchstrasse“ angepriesen. Im übrigen haben wir die ganze Woche kein Problem, ein Zimmer in einem Hotel zu finden. Wir haben nichts vorreserviert. Überall ist man sehr freundlich und bietet uns einen Platz für unsere Fahrräder an

"Wir leben hier auf dem Land, Madame"  (70 km)

Von Thann aus starten wir am Sonntag mit etwas Respekt in Richtung „Col de Bussang“, denn neben dem Eigengewicht haben wir noch rund 15 Kilogramm Gepäck mit auf den Hügel hinauf zu strampeln. Zum Glück bleiben wir dabei von den berüchtigten Lastwagenkolonnen verschont. Ich bin zwar etwas langsamer als Toni, um so herzlicher ist der Empfang, als ich oben auf dem Pass mit 731 Metern Höhe ankomme. Hier liegt auch die Quelle der Mosel. Wegen der grossen Trockenheit entrinnt ihr kaum Wasser. Die Gegend wird touristisch vermarktet und bietet Wanderern ein vielfältiges Angebot. Wir selber fahren auf der Hauptstrasse ins Tal hinunter. Um die Mittagszeit wollen wir, weil wir nirgends ein Sandwich kaufen können, in einem Restaurant einkehren. Wir haben Pech. Auf unserem Weg durch verschiedene Dörfer treffen wir ein einziges Restaurant und das hat geschlossen. So bettle ich an einem Gartenzaun um Wasser. Nach rund 70 km halten wir an einer Bar, wo wir nur etwas zum Trinken bekommen. Auf meine Frage nach einem Restaurant meint der Barmann: „Wir leben hier auf dem Land, Madame“. Der Weg führt uns nur teilweise entlang der Mosel, aber wiederum auf Nebenstrassen ohne viel Verkehr. Ein ganz besonderes Vergnügen ist der Veloweg von Rupt-s-Moselle bis zum Bahnhof von Remiremont. Er führt über einen Damm einer stillgelegten Eisenbahn. Auffallend ist wie rasch sich die Mosel zu einem breiten Fluss entwickelt. Hungrig, aber zufrieden suchen wir uns in Epinal ein Zimmer

Am Rande der Vogesen  (80 km)

Die Fahrt von Epinal nach Nancy ist das Ziel unseres dritten Tages. Auch wenn die Mosel unsere stete Begleiterin ist, gibt es an diesem Tage stets Abschnitte, wo jeder seinen eigenen Weg geht. Es gibt hier leider noch keine Velowege. So sind es nicht die zum Teil ruppig ansteigenden Strassen, sondern der rege Werktagsverkehr, der uns recht auf den Wecker geht. Wenn immer möglich weichen wir diesem aus. In Bayon erkundigen wir uns nach einem möglichen „Treidelweg“. Dieser führt direkt entlang dem Moselkanal und diente vor Jahren noch zum Ziehen der Boote. Wir sind begeistert, so nahe am Wasser und ohne Strassenverkehr fahren zu können. Doch nach einigen Kilometern endet die ganze Herrlichkeit in zwei mit Wurzeln durchzogenen Fahrrinnen. Durch unsere abgeänderte Streckenführung (linksufrig dem Moselkanal entlang: D570) gelangen wir, zwar auf Velostreifen, über eine sehr stark befahrene, lange und hügelige Stadteinfahrt nach Nancy. In unmittelbarer Nähe des Stadtzentrums finden wir ein kleines Paradies zum Schlafen. Diesmal wird unsere Nachtruhe nicht durch Lärm gestört. Nach der relativ kurzen Tagesetappe haben wir am Abend genügend Zeit, um die monumentalen Plätze, Kunstdenkmäler und Kirchen im Zentrum anzuschauen. Leider verpassen wir die letzte Abfahrt der kleinen Lok, die für 5 Euro zu einer Stadtrundfahrt einladet.

Rast in Metz am Ufer der Mosel  (111 km)

Zwar haben wir uns beim Tourismusbüro in Nancy nach der direkten Ausfahrt in Richtung Metz erkundigt. Trotzdem fahren wir noch eine Zusatzschlaufe, bis wir den richtigen Weg finden. Auch heute ist der Strassenverkehr bis nach Metz fast immer an unserer Seite. Der schönste Streckenabschnitt befindet sich entlang der Mosel zwischen Autreville und Pont-à-Rousson. Es ist eigentlich sehr schade, dass die schöne Landschaft nicht besser für den Fahrradverkehr ausgebaut ist. Einen Vorteil haben die langen geraden Strassen: Wir kommen zügig voran. Wir haben noch sehr heisses Sommerwetter. Und so ist es wichtig für uns, in der zweiten Hälfte des Nachmittags, wenn die Hitze uns zu erdrücken droht, den Zielort zu erreichen. Doch heute dauert die Pause in Metz etwas länger. Am Ufer der Mosel geniessen wir in einem feinen Restaurant einen exklusiven Fischteller. Im Anschluss daran machen wir auf unseren Fahrräder noch eine kurze Stadtrundfahrt. In die imposante Kathedrale wagen wir uns in unseren Velohosen nicht. Als wir für die Weiterfahrt starten, ist es schon recht heiss. Der Fahrtwind kühlt uns jedoch leicht ab, er macht aber auch recht durstig. Von Metz aus suchen wir den Fahrradweg, der uns im Bikeline-Buch vorgezeigt ist. Es geht nicht mehr so rassig voran. Kurvenreich und manchmal auch holprig führt man uns abseits vom Verkehr über meistens geteerte Velowege. Leider sind diese hier mangelhaft ausgeschildert. Neben unseren Trinkflaschen haben wir stets noch eine zwei Literflasche Wasser dabei. Da es Werktag ist, können wir uns auch überall eine neue kaufen. Wir sehen viele Hinterwasser der Mosel. Zahlreiche Auffangbecken sind im Bau, um im Falle eines grossen Regens Wasser aus dem Fluss ableiten zu können. Wir übernachten in Thionville. Diese Stadt liegt in unmittelbarer Nähe von Luxemburg.

Super Radweg in traumhaft schöner Landschaft  (94 km)

Noch vor der Abfahrt in Thionville entdeckt Toni, dass sein vorderer Pneu verletzt ist. Lange müssen wir nach einem Fahrradgeschäft suchen, um den Pneu ersetzen zu können. Von nun an führt uns der Weg stets dem Ufer der Mosel entlang. Es ist ein idealer Weg, auch für Leute, welche nicht so trainiert sind wie wir. Toni gibt wieder „Gas“ und ich fahre in seinem Windschatten. Der Fahrradweg ist von der deutschen Grenze an bis zum Ende unserer Tour bestens ausgeschildert. Die Landschaft ist traumhaft schön. Das Flussbett durchquert die Landschaft in unzähligen Kurven. Eine Abkürzung ist nicht zu empfehlen, denn diese führt meistens über einen Hügel. Wegen der anhaltenden Trockenheit führt die Mosel, die hier über 100 Meter breit ist, nur ganz wenig Wasser. Für die Lastkähne gibt es hier nur noch eine ganz enge Durchfahrt. Zahlreiche Campingplätze säumen das Ufer der Mosel. Überall stehen Hinweistafeln mit den Sehenswürdigkeiten der Dörfer. Kurz vor 18 Uhr erreichen wir Trier. Ich habe gerade noch Zeit, mich im Touristenbüro an der Porta Nigra nach einem Hotel zu erkundigen. Den Abend lassen wir an der Mosel ausklingen.

Durch das malerische Moseltal  (108 km)

Die Gegend zwischen Trier und Koblenz kennen wir von früher. Mit Freunden verbrachten wir hier einmal Fahrradferien. Toni tretet wieder zügig in die Pedale. Der Weg führt uns weiter dem Ufer der Mosel entlang – einmal rechts-, dann wieder linksufrig. Auf der ganzen Strecke säumen Rebberge unseren Weg. Wir erkennen die vielen malerischen Dörfer wieder. Majestätisch überragen die zahlreichen Burgen die Flusslandschaft. Das Morgenessen in Trier war nicht so reichhaltig wie an den anderen Tagen. Zum Znüni kaufen wir uns ein süsses Weggli. Ich habe einen riesigen Hunger, als wir uns in Neumagen in einem Restaurant stärken. Hier kann man das bekannte „Römerschiff“ bewundern. Schon lange vor Bernkastel-Kues freuen wir uns auf einen Kaffee und ein Stück feinen Kuchen, der uns zwischen den historischen Gebäuden serviert wird. Regen war auf diesen Tag angekündigt. Dieser meldet sich bei unserem Aufbruch mit den ersten Regentropfen an. Es ist zum Glück aber erst die Visitenkarte. Trocken erreichen wir die „Dampfmühle“ in Enkirch. Das Dorf liegt mitten zwischen Trier und Koblenz. Am Abend kommt der versprochene Regen. Für uns ist es schade, für die Rebbauern jedoch ein Segen. Denn auf unserer Fahrt beobachteten wir sehr viele Rebstöcke mit vom Sonnenbrand vertrockneten Trauben.

Abbruch und Umsteigen in den Zug  (20 km)

Dicke Wolken hängen auch am Morgen noch am Himmel. Die ganze Nacht hat es geregnet. Nach einem ausgiebigen Morgenessen packen wir in Enkirch zum letzten Mal unsere Fahrräder. Rund 100 km weit entfernt liegt Koblenz, der Zielort unserer Fahrradtour. Dort ergiesst sich die Mosel, die wir auf unserer Fahrt begleitet haben, in den Rhein. Kurz nach dem Start beginnt es wieder zu regnen – zuerst nur wenig. Nach einem plötzlichen Regenguss sind wir ganz durchnässt. Beim Unterstehen frieren wir. Wir fahren trotzdem wieder weiter. Da der Himmel kein besseres Wetter verspricht, entschliessen wir uns nach 20 km in Bullay unsere Velotour abzubrechen und mit der Bahn nach Hause zu fahren. Es ist kein leichter Entscheid. Da wir aber während der ganzen Woche den prächtigsten Sonnenschein geniessen konnten, folgen wir unserem Verstand. Die Weiterfahrt im Regen wäre kein Vergnügen mehr gewesen. Zudem kennen wir die Strecke, denn wir sind sie ja schon einmal gefahren.

Nach sieben Tagen sind wir zudem froh, dass das tägliche Sack Ein- und Auspacken ein Ende hatte. Was bleibt, sind wunderschöne Erinnerungen an eine erlebnisreiche Velowoche (mit rund 600 Fahrradkilometern) zusammen mit meinem Mann Toni.

Erika Thüring

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