Peking

Fahrradimpressionen aus dem Jahr 2001.

Peking, die Stadt der Fahrräder! Ja, so habe ich es mir vorgestellt, als ich vor kurzem Peking besuchte. Doch die zunehmende Motorisierung drängt die Fahrradfahrer auch dort immer mehr an den Strassenrand. Es sind zwar in der Regel breite Streifen als Radwege ausgeschieden, das hindert die meist rücksichtslosen Automobilisten kaum, slalomfahrend, die blockierte Autokolonne auf dem Radweg zu überholen. Die Autofahrer sind zwar immer die Stärkeren, doch das beeindruckt einzelne wagemutige Fahrradfahrer kaum - manchmal noch zu zweit auf dem Fahrrad - im Kreisel gegen die Fahrtrichtung zu fahren.

Es scheint jedoch, dass das Fahrrad immer noch das meist benutzte Fortbewegungsmittel in Peking ist. Ganze Pulks von Menschen fahren damit zur Arbeit. Vielfach in Jeans, aber auch in Anzügen und eleganten Kleidern sitzen die Menschen kerzengerade auf ihren Drahteseln. Diese Bezeichnung passt ganz gut zu den antiken Fahrgestellen, die bei uns höchstens noch im Museum zu bewundern sind. Die Fahrräder sind fast immer schwarz, haben keine Gangschaltung und gebremst wird noch mit einer Stangenvorrichtung. Man kommt zum Staunen kaum heraus, wenn man sieht, dass ganze Verkaufsangebote von Marktständen, Tiere und auch grössere Möbelstücke auf dem Fahrrad transportiert werden. Auf phantasievollen Aufbauten werden ganze Küchen umher gefahren, um dem Hungrigen seine Mahlzeit direkt auf der Strasse zubereiten zu können. Auch der Coiffeur fährt mit Messer, Schere, Rasierschaum, Umhängetuch, Spiegel und Schemel auf dem Fahrrad zur Arbeit. Irgendwo am Rande einer rege begangenen Strasse sucht er sich einen Arbeitsplatz aus und bedient dort seine Kunden.

In der Stadt selber dürfen die Fahrräder nur auf abgetrennten Parkplätzen abgestellt werden. Dort stehen sie fein säuberlich aufgereiht. Keines steht schräg, keines liegt am Boden. Keinem fehlt der Sattel oder ein Rad. Für ein paar Fen werden sie bewacht. Wo die Menschen aus Peking ihre Fahrräder zu Hause versorgen, das kann ich mir nicht vorstellen. Wenn sie keinen Hinterhof haben, so müssen sie diese abends bestimmt in ihre Wohn-/Schlafkammern mitnehmen. Keine Sorge muss man sich machen, wenn dem Reifen die Luft ausgeht. Denn so alle hundert Meter steht am Strassenrand ein „Veloflicker“ mit seiner Werkzeugkiste und bietet Hilfe an. Ob jedoch bei einer anderen Panne gerade das richtige Werkzeug oder die passende Schraube gefunden werden kann, ist eine andere Frage.

Noch immer scheint ein modernes Fahrrad ein Luxusartikel zu sein. Während den vier Tagen, an welchen ich in Peking weilte, ist mir gerade ein einziges farbiges Fahrgestell aufgefallen. Auch breitere Reifen waren ganz selten anzutreffen. Dass es aber Anbieter von topmoderner Fahrradtechnik gibt, habe ich mir sagen lassen. Für einen sehr günstigen Preis hat sich ein Mitreisender ein solches erworben. Im übrigen kann man sich in den meisten Hotels Fahrräder mieten. Auf der Entdeckungsfahrt durch Peking darf man aber nie vergessen, dass man als schwächster Verkehrsteilnehmer nicht auf den Vortritt beharren sollte. Vor der Abfahrt ist es empfehlenswert Handbremsen und Reifen zu kontrollieren.

Erika Thüring

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