Séjour an der Côte d’Azur

April 2005

Velofahren vorbei an blühenden Mimosen- und Mandelbäumen, vorbei an Obst- und Weinkulturen, vorbei an Oliven- und Eichenhaien, vorbei an Tümpeln und Teichen, Ried, Moor und Salinen, vorbei an kleinen Bauernbetrieben und imposanten Ferienhäusern, entlang der Meeresküste, über kleine Pässe, durch enge Schluchten und Täler. Dies ist ein ganz besonderes Erlebnis, das Toni und ich dieses Frühjahr bereits zum zweiten Mal erleben durften.

Warum sollen wir nicht einmal mit dem Velo durch jene Gegend fahren, die wir sonst nur durch die Autoscheibe hindurch oder vom Baden im Meer kennen? Das fragten wir uns und meldeten uns auf eine Einladung von Vertretern des FFCT (Französischer Veloclub) für einen „séjour cyclotouriste“ in Hyères an der Côte d’ Azur an. Für die Unterkunft waren Zimmer in einem Hotel direkt am Meer zu einem günstigen Preis reserviert. Inbegriffen waren dabei auch das Picknick, das Nachtessen und die Getränke. Für jeden Tag legte die Tourenleitung den Velofreaks zwei Velotourenangebote zwischen 80 und 140 Kilometern mit unterschiedlichen Höhendifferenzen vor. Es stand jedem frei, an den Touren teilzunehmen oder sich anderen Freizeitbeschäftigungen, wie zum Beispiel dem Wandern, Fitness im Schwimmbad, Sonnenbaden, Stadt- oder Marktbesuchen zuzuwenden. Da bereits schon vor neun Uhr gestartet wurde, hatten die Teilnehmer auch am Nachmittag noch genügend Zeit zur individuellen Gestaltung.

Zwei ortskundige Betreuer begleiteten jede Velogruppe auf der Tour. Sie achteten darauf, dass niemand verloren ging, und halfen, wenn nötig, auch bei einer Panne. Jeder konnte sein eigenes Tempo einhalten. Da alle eine gute Wegbeschreibung besassen, konnte der Weg auch individuell gefahren werden. Am Mittag stand irgendwo im Schatten ein Kleinbus, aus dem den Velofahrern aus beiden Gruppen ein reichhaltiges Picknick samt Getränken (Wasser, Wein und Kaffee) verteilt wurde. Über eine Notrufnummer konnte auch Hilfe oder der Heimtransport des Velos angefordert werden.

Entlang der Küste zwischen Toulon und Cavalaire gibt es einen gut ausgeschilderten Veloweg. Dieser führt streckenweise über ein stillgelegtes Bahngeleise und muss manchmal auch mit Autos aus dem Quartier geteilt werden. Zwischen den malerischen Hügeln im Hinterland sind die Strassen oft sehr schmal. Aber ausgenommen an Sonn- und Feiertagen gibt es dort (jedenfalls noch im Frühjahr) sehr wenig Autoverkehr. Die Landschaft ist einzigartig. Fast von jedem Hügel aus konnte man die Küstenlandschaft bewundern. Oft führte der Weg auch über Bergkreten. Betörend war der Duft der Mimosen, von Rosmarin, Wachholder, Sellerie, Thymian, Salz und Fisch. Auf den Feldern mit der - für diese Region typischen - roten Erde wurden gerade Tulpen geschnitten. Überall gab es Parks und Schlösser, Weinkeller und Olivenölmühlen. Im Gegensatz dazu betonten Palmen, Oleander und Zypressen neben den zahlreichen Schiffshäfen mit den „millionenschweren“ Yachten wiederum die mediterrane Landschaft.

Das Hotel „Le Plein Sud“ in Hyères-les-Palmiersliegt mit einem abgetrennten Privatstrand in unmittelbarer Nähe des Meeres. Individuelle Reservationen müssen mindestens sechs Monate vorher über die Zentrale der Hotelkette „Vacances Bleues“ in Marseille vorgenommen werden. Die Küche ist traditionell mediterran. Neben dem geheizten Schwimmbad kann bei warmer Temperatur auch innerhalb der Lagune gebadet werden. Für eine Woche mit Vollpension haben wir pro Person zirka 435 Franken bezahlt. Die Teilnehmer am „Séjour“ erhalten Tourenpläne. Auch das Hotel hält für rund 20 Rundfahrten Tourenbeschreibungen bereit. Neben dem Auto kann Hyères auch mit dem Zug erreicht werden. Eventuell wird bald wieder eine Flugverbindung angeboten.

Erika Thüring

 

Nachtrag 2013:

Jeweils im Monat März werden heute noch vom FFCT vier solche Velowochen angeboten. Für die Teilnahme ist eine Mitgliedschaft erforderlich.

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