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Jedes Jahr planen Toni und
ich eine Velotour. Dieses Jahr nahmen wir die Mosel in unser Visier.
Die regionale Michelinkarte: Alsace, Lorraine Nr. 515 und das
Bikeline-Radtourenbuch: Mosel-Radweg dienten uns als
Planungsgrundlage. Unsere Zwischenhalte planten wir in den Städten.
So konnten wir nach dem Hotelbezug bei einem Stadtrundgang noch ein
wenig unsere Beine „vertreten“.
Auf an die Mosel
(90 km)
Wir packen also unsere
Ortliebfahrradtaschen und starten mit Sandwichs in der Tasche von
unserem Wohnort Arlesheim. Die Wege am ersten Tag sind uns
weitgehend bekannt. Über Rodersdorf, Durlinsdorf, Mooslargue.
Ueberstrass, Dannemarie erreichen wir gegen Abend Thann. Wir wählten
bei der Planung Strassen mit der Bezeichnung „D“. Die Route führt
uns durch eine ansprechende hügelige Landschaft mit viel Wald und
Weiden, vorbei an zahlreichen Fischweihern und durch schmucke
Sundgauerdörfer. Anstelle der oft gesehenen Weinstrasse wird hier
die „Milchstrasse“ angepriesen. Im übrigen haben wir die ganze Woche
kein Problem, ein Zimmer in einem ** Hotel zu finden. Wir haben
nichts vorreserviert. Überall ist man sehr freundlich und bietet uns
einen Platz für unsere Fahrräder an
"Wir leben hier auf
dem Land, Madame"
(70 km)
Von Thann aus starten
wir am Sonntag mit etwas Respekt in Richtung „Col de Bussang“, denn
neben dem Eigengewicht haben wir noch rund 15 Kilogramm Gepäck mit
auf den Hügel hinauf zu strampeln. Zum Glück bleiben wir dabei von
den berüchtigten Lastwagenkolonnen verschont. Ich bin zwar etwas
langsamer als Toni, um so herzlicher ist der Empfang, als ich oben
auf dem Pass mit 731 Metern Höhe ankomme. Hier liegt auch die Quelle
der Mosel. Wegen der grossen Trockenheit entrinnt ihr kaum Wasser.
Die Gegend wird touristisch vermarktet und bietet Wanderern ein
vielfältiges Angebot. Wir selber fahren auf der Hauptstrasse ins Tal
hinunter. Um die Mittagszeit wollen wir, weil wir nirgends ein
Sandwich kaufen können, in einem Restaurant einkehren. Wir haben
Pech. Auf unserem Weg durch verschiedene Dörfer treffen wir ein
einziges Restaurant und das hat geschlossen. So bettle ich an einem
Gartenzaun um Wasser. Nach rund 70 km halten wir an einer Bar, wo
wir nur etwas zum Trinken bekommen. Auf meine Frage nach einem
Restaurant meint der Barmann: „Wir leben hier auf dem Land,
Madame“. Der Weg führt uns nur teilweise entlang der Mosel, aber
wiederum auf Nebenstrassen ohne viel Verkehr. Ein ganz besonderes
Vergnügen ist der Veloweg von Rupt-s-Moselle bis zum Bahnhof von
Remiremont. Er führt über einen Damm einer stillgelegten Eisenbahn.
Auffallend ist wie rasch sich die Mosel zu einem breiten Fluss
entwickelt. Hungrig, aber zufrieden suchen wir uns in Epinal ein
Zimmer
Am Rande der Vogesen
(80 km)
Die Fahrt von Epinal
nach Nancy ist das Ziel unseres dritten Tages. Auch wenn die Mosel
unsere stete Begleiterin ist, gibt es an diesem Tage stets
Abschnitte, wo jeder seinen eigenen Weg geht. Es gibt hier leider
noch keine Velowege. So sind es nicht die zum Teil ruppig
ansteigenden Strassen, sondern der rege Werktagsverkehr, der uns
recht auf den Wecker geht. Wenn immer möglich weichen wir diesem
aus. In Bayon erkundigen wir uns nach einem möglichen „Treidelweg“.
Dieser führt direkt entlang dem Moselkanal und diente vor Jahren
noch zum Ziehen der Boote. Wir sind begeistert, so nahe am Wasser
und ohne Strassenverkehr fahren zu können. Doch nach einigen
Kilometern endet die ganze Herrlichkeit in zwei mit Wurzeln
durchzogenen Fahrrinnen. Durch unsere abgeänderte Streckenführung (linkssufrig
dem Moselkanal entlang: D570) gelangen wir, zwar auf Velostreifen,
über eine sehr stark befahrene, lange und hügelige Stadteinfahrt
nach Nancy. In unmittelbarer Nähe des Stadtzentrums finden wir ein
kleines Paradies zum Schlafen. Diesmal wird unsere Nachtruhe nicht
durch Lärm gestört. Nach der relativ kurzen Tagesetappe haben wir am
Abend genügend Zeit, um die monumentalen Plätze, Kunstdenkmäler und
Kirchen im Zentrum anzuschauen. Leider verpassen wir die letzte
Abfahrt der kleinen Lok, die für 5 Euro zu einer Stadtrundfahrt
einladet.
Rast in Metz
am Ufer der Mosel
(111 km)
Zwar haben wir uns beim Tourismusbüro in
Nancy nach der direkten Ausfahrt in Richtung Metz erkundigt.
Trotzdem fahren wir noch eine Zusatzschlaufe, bis wir den richtigen
Weg finden. Auch heute ist der Strassenverkehr bis nach Metz fast
immer an unserer Seite. Der schönste Streckenabschnitt befindet sich
entlang der Mosel zwischen Autreville und Pont-à-Rousson. Es ist
eigentlich sehr schade, dass die schöne Landschaft nicht besser für
den Fahrradverkehr ausgebaut ist. Einen Vorteil haben die langen
geraden Strassen: Wir kommen zügig voran. Wir haben noch sehr
heisses Sommerwetter. Und so ist es wichtig für uns, in der zweiten
Hälfte des Nachmittags, wenn die Hitze uns zu erdrücken droht, den
Zielort zu erreichen. Doch heute dauert die Pause in Metz etwas
länger. Am Ufer der Mosel geniessen wir in einem feinen Restaurant
einen exklusiven Fischteller. Im Anschluss daran machen wir auf
unseren Fahrräder noch eine kurze Stadtrundfahrt. In die imposante
Kathedrale wagen wir uns in unseren Velohosen nicht. Als wir für die
Weiterfahrt starten, ist es schon recht heiss. Der Fahrtwind kühlt
uns jedoch leicht ab, er macht aber auch recht durstig. Von Metz aus
suchen wir den Fahrradweg, der uns im Bikeline-Buch vorgezeigt ist.
Es geht nicht mehr so rassig voran. Kurvenreich und manchmal auch
holprig führt man uns abseits vom Verkehr über meistens geteerte
Velowege. Leider sind diese hier mangelhaft ausgeschildert. Neben
unseren Trinkflaschen haben wir stets noch eine zwei Literflasche
Wasser dabei. Da es Werktag ist, können wir uns auch überall eine
neue kaufen. Wir sehen viele Hinterwasser der Mosel. Zahlreiche
Auffangbecken sind im Bau, um im Falle eines grossen Regens Wasser
aus dem Fluss ableiten zu können. Wir übernachten in Thionville.
Diese Stadt liegt in unmittelbarer Nähe von Luxemburg.
Super
Radweg
in traumhaft schöner Landschaft
(94 km)
Noch vor der Abfahrt in Thionville entdeckt
Toni, dass sein vorderer Pneu verletzt ist. Lange müssen wir nach
einem Fahrradgeschäft suchen, um den Pneu ersetzen zu können. Von
nun an führt uns der Weg stets dem Ufer der Mosel entlang. Es ist
ein idealer Weg, auch für Leute, welche nicht so trainiert sind wie
wir. Toni gibt wieder „Gas“ und ich fahre in seinem Windschatten.
Der Fahrradweg ist von der deutschen Grenze an bis zum Ende unserer
Tour bestens ausgeschildert. Die Landschaft ist traumhaft schön. Das
Flussbett durchquert die Landschaft in unzähligen Kurven. Eine
Abkürzung ist nicht zu empfehlen, denn diese führt meistens über
einen Hügel. Wegen der anhaltenden Trockenheit führt die Mosel, die
hier über 100 Meter breit ist, nur ganz wenig Wasser. Für die
Lastkähne gibt es hier nur noch eine ganz enge Durchfahrt.
Zahlreiche Campingplätze säumen das Ufer der Mosel. Überall stehen
Hinweistafeln mit den Sehenswürdigkeiten der Dörfer. Kurz vor 18 Uhr
erreichen wir Trier. Ich habe gerade noch Zeit, mich im
Touristenbüro an der Porta Nigra nach einem Hotel zu erkundigen. Den
Abend lassen wir an der Mosel ausklingen.
Durch das
malerische Moseltal
(108 km)
Die Gegend zwischen Trier und Koblenz kennen
wir von früher. Mit Freunden verbrachten wir hier einmal
Fahrradferien. Toni tretet wieder zügig in die Pedale. Der Weg führt
uns weiter dem Ufer der Mosel entlang – einmal rechts-, dann wieder
linksufrig. Auf der ganzen Strecke säumen Rebberge unseren Weg. Wir
erkennen die vielen malerischen Dörfer wieder. Majestätisch
überragen die zahlreichen Burgen die Flusslandschaft. Das
Morgenessen in Trier war nicht so reichhaltig wie an den anderen
Tagen. Zum Znüni kaufen wir uns ein süsses Weggli. Ich habe einen
riesigen Hunger, als wir uns in Neumagen in einem Restaurant
stärken. Hier kann man das bekannte „Römerschiff“ bewundern. Schon
lange vor Bernkastel-Kues freuen wir uns auf einen Kaffee und ein
Stück feinen Kuchen, der uns zwischen den historischen Gebäuden
serviert wird. Regen war auf diesen Tag angekündigt. Dieser meldet
sich bei unserem Aufbruch mit den ersten Regentropfen an. Es ist zum
Glück aber erst die Visitenkarte. Trocken erreichen wir die
„Dampfmühle“ in Enkirch. Das Dorf liegt mitten zwischen Trier und
Koblenz. Am Abend kommt der versprochene Regen. Für uns ist es
schade, für die Rebbauern jedoch ein Segen. Denn auf unserer Fahrt
beobachteten wir sehr viele Rebstöcke mit vom Sonnenbrand
vertrockneten Trauben.
Abbruch
und Umsteigen in den Zug
(20 km)
Dicke Wolken hängen
auch am Morgen noch am Himmel. Die ganze Nacht hat es geregnet. Nach
einem ausgiebigen Morgenessen packen wir in Enkirch zum letzten Mal
unsere Fahrräder. Rund 100 km weit entfernt liegt Koblenz, der
Zielort unserer Fahrradtour. Dort ergiesst sich die Mosel, die wir
auf unserer Fahrt begleitet haben, in den Rhein. Kurz nach dem Start
beginnt es wieder zu regnen – zuerst nur wenig. Nach einem
plötzlichen Regenguss sind wir ganz durchnässt. Beim Unterstehen
frieren wir. Wir fahren trotzdem wieder weiter. Da der Himmel kein
besseres Wetter verspricht, entschliessen wir uns nach 20 km in
Bullay unsere Velotour abzubrechen und mit der Bahn nach Hause zu
fahren. Es ist kein leichter Entscheid. Da wir aber während der
ganzen Woche den prächtigsten Sonnenschein geniessen konnten, folgen
wir unserem Verstand. Die Weiterfahrt im Regen wäre kein Vergnügen
mehr gewesen. Zudem kennen wir die Strecke, denn wir sind sie ja
schon einmal gefahren.
Nach sieben Tagen sind wir zudem froh, dass
das tägliche Sack Ein- und Auspacken ein Ende hatte. Was bleibt,
sind wunderschöne Erinnerungen an eine erlebnisreiche Velowoche (mit
rund 600 Fahrradkilometern) zusammen mit meinem Mann Toni. |