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Peking, die Stadt der
Fahrräder! Ja, so habe ich es mir vorgestellt, als ich vor kurzem
Peking besuchte. Doch die zunehmende Motorisierung drängt die
Fahrradfahrer auch dort immer mehr an den Strassenrand. Es sind zwar in
der Regel breite Streifen als Radwege ausgeschieden, das hindert die
meist rücksichtslosen Automobilisten kaum, slalomfahrend, die
blockierte Autokolonne auf dem Radweg zu überholen. Die Autofahrer sind
zwar immer die Stärkeren, doch das beeindruckt einzelne wagemutige
Fahrradfahrer kaum - manchmal noch zu zweit auf dem Fahrrad - im Kreisel
gegen die Fahrtrichtung zu fahren.
Es
scheint jedoch, dass das Fahrrad immer noch das meist benutzte
Fortbewegungsmittel in Peking ist. Ganze Pulks von Menschen fahren damit
zur Arbeit. Vielfach in Jeans, aber auch in Anzügen und eleganten
Kleidern sitzen die Menschen kerzengerade auf ihren Drahteseln. Diese
Bezeichnung passt ganz gut zu den antiken Fahrgestellen, die bei uns höchstens
noch im Museum zu bewundern sind. Die Fahrräder sind fast immer
schwarz, haben keine Gangschaltung und gebremst wird noch mit einer
Stangenvorrichtung. Man kommt zum Staunen kaum heraus, wenn man sieht,
dass ganze Verkaufsangebote von Marktständen, Tiere und auch grössere
Möbelstücke auf dem Fahrrad transportiert werden. Auf phantasievollen
Aufbauten werden ganze Küchen umher gefahren, um dem Hungrigen seine
Mahlzeit direkt auf der Strasse zubereiten zu können. Auch der Coiffeur
fährt mit Messer, Schere, Rasierschaum, Umhängetuch, Spiegel und
Schemel auf dem Fahrrad zur Arbeit. Irgendwo
am Rande einer rege begangenen Strasse sucht er sich einen Arbeitsplatz
aus und bedient dort seine Kunden. |
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In der Stadt selber dürfen
die Fahrräder nur auf abgetrennten Parkplätzen abgestellt werden. Dort
stehen sie fein säuberlich aufgereiht. Keines steht schräg, keines
liegt am Boden. Keinem fehlt der Sattel oder ein Rad. Für ein paar Fen
werden sie bewacht. Wo die Menschen aus Peking ihre Fahrräder zu Hause
versorgen, das kann ich mir nicht vorstellen. Wenn sie keinen Hinterhof
haben, so müssen sie diese abends bestimmt in ihre Wohn-/Schlafkammern
mitnehmen. Keine Sorge muss man sich machen, wenn dem Reifen die Luft
ausgeht. Denn so alle hundert Meter steht am Strassenrand ein
„Veloflicker“ mit seiner Werkzeugkiste und bietet Hilfe an. Ob
jedoch bei einer anderen Panne gerade das richtige Werkzeug oder die
passende Schraube gefunden werden kann, ist eine andere Frage.
Noch immer scheint ein
modernes Fahrrad ein Luxusartikel zu sein. Während den vier Tagen, an
welchen ich in Peking weilte, ist mir gerade ein einziges farbiges
Fahrgestell aufgefallen. Auch breitere Reifen waren ganz selten
anzutreffen. Dass es aber Anbieter von topmoderner Fahrradtechnik gibt,
habe ich mir sagen lassen. Für einen sehr günstigen Preis hat sich ein
Mitreisender ein solches erworben. Im übrigen kann man sich in den
meisten Hotels Fahrräder mieten. Auf der Entdeckungsfahrt durch Peking
darf man aber nie vergessen, dass man als schwächster
Verkehrsteilnehmer nicht auf den Vortritt beharren sollte. Vor der
Abfahrt ist es empfehlenswert Handbremsen und Reifen zu kontrollieren.
Erika Thüring
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